Neue Alarmierungsstrukturen im Kreis Höxter ab dem Jahr 2017

Am 02.01.2017 erfolgte eine Softwareumstellung in der Leitstelle für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz des Kreises Höxter in Brakel.

Um für Notfälle, z.B. Ausfall der Leitstelle, Großeinsatzlagen oder Flächenlagen infolge eines Unwetters gerüstet zu sein, ist eine Vernetzung der Leitstellen in den Kreisen Paderborn, Lippe und Höxter vorgesehen. Die Vernetzung hat die Folge, dass alle beteiligten Leitstellen die gleichen technischen Kommunikationseinrichtungen vorhalten müssen. Bei dem Ausfall oder gar Überlastung der Notrufleitungen könnte z. B. die Leitstelle in Paderborn einen Notruf aus Brakel entgegennehmen, disponieren und die zuständigen Einsatzkräfte alarmieren.

Neben den technischen Voraussetzungen müssen auch die Alarmstichworte in den beteiligten Kreisen vereinheitlicht werden.
Hierzu wurde eine OWL weite Arbeitsgruppe gegründet, die im Vorfeld bereits einheitliche Alarmstichworte und den Bedarf an Personal/Material für die einzelnen Alarmstichworte festgelegt hat. Ein sicherlich spannender Arbeitsauftrag, bedenkt man, dass man auf der einen Seite „gleiche Maßstäbe“ für Einsätze in der Stadt Paderborn mit einer hauptamtlichen Feuerwehr und auf der anderen Seite einer reinen ehrenamtlichen Feuerwehr in ländlicher Struktur finden und festlegen musste.
Der erste Schritt war nun die Einführung einer einheitlichen Leitstellensoftware und die damit verbundene Anpassung der Alarmstichworte.

Neue Stichworte, warum überhaupt?!?

War z.B. ein Brand bisher in vier „Größen“ unterteilt (Brand 1 – 3 und Brandmeldeanlage (BMA)), so sind künftig zwölf „Größen“ möglich.
Ein „Gebäude-Großbrand“ wurde bisher mit einem „Wald-Großbrand“ gleichgesetzt und somit auch gleich alarmiert, allerdings sind auf den zweiten Blick unterschiedliche Einsatzkräfte & -mittel nötig. Während bei einem Gebäudebrand ggf. Drehleiter(n) und (viele) Atemschutzgeräteträger benötigt werden, müssen zu einem Waldbrand eher Tanklöschfahrzeuge (geländegängig), Fahrzeuge mit Material für Wasserförderung über „Langewegestrecke“ und „Forstausrüstung“ (Motorkettensägen, Brandpatschen) ausrücken.

Brannte ein PKW/LKW außerhalb geschlossener Ortslage (z.B. Bundesstraße), so musste der zuständige Disponent auf der LST „per manueller Alarmierung“ Fahrzeuge mit Löschwassertank hinzu alarmieren.
Auch das Stichwort „MIG“ (Menschenleben in Gefahr) wurde bis dato nicht extra berücksichtigt, wobei auch in der Vergangenheit dann auf dem „Alarmierungstext“ z.B. „Person in Gebäude“ o.ä. vermerkt wurde (allerdings ohne automatische Auswirkung) auf die Alarmierung von Einsatzkräften (Ausnahme: „Verkehrsunfall – Eingeklemmte Person“).

Die neue Software der Leitstelle kann nun automatisch nach einer durch den Leiter der Feuerwehr festgelegten Ausrückefolge die passenden Einsatzmittel & -kräfte alarmieren. Auch eine den heutigen Anforderungen gerechte und flexible Alarmierung von Einsatzkräften & -mitteln wird nun möglich. Das neue System hat Zugriff auf die „Verfügbarkeit“ von Personal, d.h. es prüft automatisch, ob die dem Schadensort nächstgelegenen Einheiten ausreichend Einsatzkräfte & -mittel bei der Alarmierung mitbringen, oder ob ggf. eine weitere Einheit mit alarmiert werden muss. Auch Sonderfahrzeuge (SoFa) wie Einsatzleitwagen, Drehleiter, Tanklöschfahrzeug o.ä. alarmiert das System selbstständig mit, wenn diese erforderlich sein sollten (d.h. die AAO z.B. bei einem Kaminbrand eine Drehleiter vorsieht). Auch „besondere“ Ausrüstung, z.B. Türöffnungssatz, Wärmebildkamera oder andere Geräte können nun automatisiert zu einem Einsatz alarmiert werden.

Zudem ist es nun möglich auf ggf. Ausfälle einer Einheit (Fahrzeug im überörtlichen Katastropheneinsatz, in der Werkstatt o.ä.) automatisiert reagieren zu können, da „das System“ diese Informationen bekommt und verarbeiten kann.

Da bereits ab dem 02.01.2017 mit den neuen Alarmstichwörtern in der Leitstelle in Brakel gearbeitet wird, sind in einer Übergangszeit die neuen Stichwörter mit den bisherigen Alarmierungsstufen verknüpft.

Alarmstichworte „Neu“ gegen „Alt“:
(ggf. in der Mobilansicht eingeschränkt lesbar!)

Neu:  Alt: Bemerkung/Erklärung:
Feuer 1 Brand 1
Feuer 2 Brand 1
Feuer 3 Brand 2
Feuer MIG Brand 2 MIG = Menschenleben in Gefahr
Feuer 4 Brand 3
Feuer BMA BMA BMA = automatische Brandmeldeanlage
Feuer Fluggerät 1 Brand 2
Feuer Fluggerät 2 Brand 3
Feuer Fläche/Wald 1 Brand 1
Feuer Fläche/Wald 2 Brand 1
Feuer Fläche/Wald 3 Brand 2
Feuer Fläche/Wald 4 Brand 3
Technische Hilfe 0 Hilfe 1
Technische Hilfe 1 Hilfe 1
Technische Hilfe 2 Hilfe 2
Technische Hilfe MIG Hilfe 2 MIG = Menschenleben in Gefahr
Technische Hilfe 3 Hilfe 2
Technische Hilfe 4 Hilfe 3
Technische Hilfe Person klemmt 1 Hilfe 4 (EKP) 1 Person eingeklemmt
Technische Hilfe Person klemmt 2 Hilfe 4 (EKP) mehr als 1 Person eingeklemmt
ABC 1 ABC 1 ABC = atomare, biologische oder chemische Gefahren
ABC 2 ABC 2
ABC 3 ABC 3
MANV 1 Hilfe 3 MANV = Massenanfall von Verletzten
MANV 2 Hilfe 3
MANV 3 Hilfe 3

Voraussichtlich im 4. Quartal 2017 (bei erfolgreicher Pilotphase) erfolgt dann der nächste Schritt: Die digitalen Funkmeldeempfänger aller Einsatzkräfte im Stadtgebiet Brakel werden neu programmiert um eine optimale Effizienz zu erreichen. Neue Teilbereiche um z.B. um „genau“ ein Tanklöschfahrzug (mit Personal) zu alarmieren, oder „nur“ zwei Einsatzkräfte zur ersten Lageerkundung in Marsch zu setzen werden dann programmiert.

Damit der Disponent der Leitstelle Ihnen immer sofort die „richtige“ Hilfe zukommen lassen kann, ist die wichtigste Information der Notfallort (Wo ist es passiert?).

Alle erforderlichen Informationen werden durch die Leitstelle abgefragt.

Warten Sie auf Rückfragen!

Text & Bild: Freiwillige Feuerwehr Brakel